Ein junger Mann singt in New York für eine Rolle in einem Musical vor. Er ist sich sicher: Das ist meine Rolle. Es gibt nur ein kleines Problem. Er kann nicht singen. Er bekommt die Rolle nicht.
Dreißig Jahre später steht derselbe Mann wieder im selben Theater, diesmal mit seinem Namen ganz oben auf dem Plakat. Es ist Denzel Washington. Im Video erzähle ich dir seine Rede über das Scheitern wie ein Theaterstück in drei Akten. Darunter findest du alles zum Nachlesen: warum du keinen Plan B brauchst, die Geister an deinem Bett und einen ersten kleinen Schritt gegen die Angst vor dem Scheitern.
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Fast jeder kennt diesen Moment. Du hast eine Idee, einen Wunsch, einen Plan. Und dann meldet sich eine leise Stimme: Was, wenn es schiefgeht? Was denken die anderen, wenn ich mich blamiere? Also wartest du. Auf den perfekten Moment, auf mehr Sicherheit, auf irgendwann.
Die Angst vor dem Scheitern fühlt sich an wie Schutz. Und kurzfristig ist sie das auch: Wer nichts versucht, kann auch nicht verlieren. Aber genau darin liegt die Falle. Wer nie scheitert, hat meistens gar nichts versucht.
Denzel Washington hat am 16. Mai 2011 vor Tausenden Absolventen der University of Pennsylvania eine Rede gehalten, die genau hier ansetzt. Ein Zusammenschnitt davon wurde fast 70 Millionen Mal angesehen. Sein Gedanke ist einfach: Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg. Es ist ein Teil davon.
Denzel beginnt mit einem Satz, den du dir merken solltest: Nichts, was sich im Leben wirklich lohnt, bekommst du, ohne etwas zu riskieren.
Dann erzählt er von einem Rat, den fast jeder schon gehört hat: „Sorg dafür, dass du etwas hast, worauf du zurückfallen kannst.“ Einen Plan B, nur zur Sicherheit. Seine Antwort: Wenn ich falle, will ich nicht zurückfallen. Ich will nach vorne fallen. Denn dann siehst du wenigstens, wo du landest.
Er erinnert an das alte Rätsel mit den neun Punkten, die du mit wenigen geraden Linien verbinden sollst, ohne den Stift abzusetzen. Es klappt nur, wenn du über den Rand des Kästchens hinausgehst. Hab keine Angst, über den Rand zu gehen. Hab keine Angst, groß zu träumen. Aber denk daran: Träume ohne Ziele bleiben Träume. Erst ein Datum und ein erster Schritt machen daraus einen Weg.
Und dann die Beispiele. Der Baseballspieler Reggie Jackson hat über 2.500 Mal danebengeschlagen, so oft wie kaum ein anderer. Erinnert werden aber seine Home Runs. Und Thomas Edison brauchte nach Denzels Erzählung rund tausend Versuche, bevor die Glühbirne funktionierte.
Sein ehrlichster Satz: Du wirst scheitern. Du wirst verlieren, dich blamieren, in etwas richtig schlecht sein. Daran gibt es keinen Zweifel. Also nimm es an, weil es sowieso kommt.
Ganz am Anfang seiner Karriere sang Denzel für ein Musical am Broadway vor und wurde abgelehnt. Aber er ist nicht zurückgefallen. Er hat sich auf das nächste Vorsprechen vorbereitet. Und auf das nächste. Er ist weiter gescheitert, wieder und wieder.
In Amerika gibt es dazu ein altes Sprichwort: Wer lange genug beim Friseur sitzt, bekommt irgendwann einen Haarschnitt. Wer lange genug dranbleibt, bekommt irgendwann seine Chance.
Dreißig Jahre nach dem ersten Vorsprechen spielte er die Hauptrolle in „Fences“ am Broadway, im selben Theater, in dem er damals gescheitert war. Für diese Rolle gewann er 2010 den Tony Award, den wichtigsten Theaterpreis der USA.
Wenn du etwas haben willst, was du noch nie hattest, musst du etwas tun, was du noch nie getan hast. Vielleicht ist deine letzte Absage nicht das Ende der Geschichte, sondern nur der erste Akt.
Das ist der Teil der Rede, über den die meisten am längsten nachdenken. Stell dir vor, du liegst am Ende deines Lebens im Bett. Um dein Bett herum stehen Geister. Keine gruseligen, sondern die Geister deines ungenutzten Potenzials:
die du nie umgesetzt hast.
das du nie benutzt hast.
die du immer verschoben hast.
die du einem Menschen nie gesagt hast.
Sie stehen da, enttäuscht und traurig, und sagen: Wir sind zu dir gekommen, weil du uns hättest lebendig machen können. Und jetzt müssen wir mit dir gehen.
Wie viele Geister werden an deinem Bett stehen? Die Frage soll dir keine Angst machen. Sie erinnert dich nur daran, dass du nicht für alles ewig Zeit hast. Wenn dich das berührt, schau dir auch mein Video über dein Leben in Wochen an.
Danach spricht Denzel über etwas, das nichts mit Geld zu tun hat. Gib, was du hast: deine Zeit, dein Talent, deine Kraft. Manche haben Geld, manche Geduld, manche Güte, manche die Gabe, schwere Zeiten auszuhalten und trotzdem freundlich zu bleiben.
Die Frage ist nicht, wie viel du hast. Sondern was du damit machst. Vielleicht kannst du gut zuhören, trösten, organisieren oder Menschen zum Lachen bringen. Das ist kein kleines Talent. Es ist genau das, was ein anderer Mensch heute vielleicht braucht.
Manchmal ist Scheitern der beste Weg, um herauszufinden, wohin du eigentlich gehörst. An der Uni wollte Denzel erst Arzt werden, scheiterte an einem Kurs, wechselte zu Jura, dann zu Journalismus. Seine Noten gingen nach unten, und die Uni schlug ihm höflich eine Pause vor. Er war 20 und an seinem tiefsten Punkt.
Am 27. März 1975 half er im Friseursalon seiner Mutter aus. Unter der Trockenhaube saß eine ältere Frau, die er nicht kannte. Im Spiegel sah er immer wieder, wie sie ihn ansah. Dann sagte sie: „Junge, ich habe eine Vorahnung. Du wirst um die Welt reisen und zu Millionen Menschen sprechen.“
Genau das ist passiert, durch seine Filme. An seinem tiefsten Punkt war er seinem Weg näher als je zuvor. Er wusste es nur noch nicht. Wenn bei dir gerade nichts nach Plan läuft, denk an den jungen Mann im Friseursalon.
Am Ende der Rede steht ein Satz, der alles zusammenfasst: Wenn du im Leben fällst, und das wirst du, dann fall nach vorne. Hier ist eine kleine Übung, damit es nicht bei einem schönen Gedanken bleibt:
Wenn du merkst, dass du dir selbst immer wieder im Weg stehst, hilft dir vielleicht Selbstsabotage stoppen. Und wenn du lernen willst, auch dann weiterzumachen, wenn die Motivation weg ist, lies Disziplin lernen.
Meist aus der Sorge, abgelehnt oder bloßgestellt zu werden. Wer früh gelernt hat, dass Fehler peinlich sind, versucht später lieber gar nicht erst etwas Neues. Die Angst schützt dich kurzfristig vor Enttäuschung, kostet dich langfristig aber genau die Chancen, die du dir eigentlich wünschst.
Statt dir immer einen sicheren Plan B zum Zurückfallen zu bauen, wagst du den Schritt nach vorne. Wenn du dann fällst, landest du ein Stück weiter, als du vorher warst, und siehst wenigstens, wo du gelandet bist. Scheitern wird so zu einem Teil des Weges und nicht zu seinem Ende.
Am 16. Mai 2011 bei der Abschlussfeier der University of Pennsylvania. Ein Zusammenschnitt der Rede wurde auf YouTube fast 70 Millionen Mal angesehen.
Ein Bild aus der Rede: Am Ende deines Lebens stehen um dein Bett die Geister deines ungenutzten Potenzials. Die Idee, die du nie umgesetzt hast, das Talent, das du nie benutzt hast, die Worte, die du nie gesagt hast. Es soll dir keine Angst machen, sondern dich daran erinnern, dass du nicht ewig Zeit hast.
Fang kleiner an, als du denkst. Such dir eine Sache aus, die du schon lange aufschiebst, und mach diese Woche einen einzigen Schritt: eine Nachricht schreiben, einen Termin machen, eine erste Version zeigen. Jeder Versuch, auch ein misslungener, macht die Angst ein Stück kleiner.
Rückschläge tun weh, das ist normal. Wenn du dich aber über Wochen leer, hoffnungslos oder erschöpft fühlst, sprich mit deiner Hausarztpraxis darüber. Rund um die Uhr erreichst du auch die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenlos und anonym.
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