Jeden Morgen um halb acht gießt ein Mann einen halb vertrockneten Baum an der Bushaltestelle. Bei Regen. Bei Hitze. Auch an Weihnachten. Die ganze Straße hält ihn für einen Spinner. Er bekommt dafür kein Geld, keinen Dank und keinen Ruhm.
Und trotzdem ist er am Ende der reichste Mann der Straße. Im Video erzähle ich dir seine Geschichte. Darunter findest du alles zum Nachlesen: warum Gutes tun laut Forschung glücklicher macht als Nehmen, warum wir es trotzdem so selten tun, 20 kleine gute Taten für jeden Tag und die Übung „Sieben stille Tage“ zum Mitmachen.
Das Video erscheint am 14. Dezember 2026 um 17 Uhr auf YouTube. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Dann werden Daten an YouTube übertragen, mehr dazu in der Datenschutzerklärung.
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Frau Albers ist vierundsiebzig und sitzt viel am Fenster, seit ihr Mann gestorben ist. Sie kennt jeden in der Straße. Und sie beobachtet Jonas.
Um halb acht gießt er den vergessenen Baum an der Bushaltestelle. Um acht trägt er dem alten Gemüsehändler, Herrn Yilmaz, zehn schwere Kisten vom Lieferwagen in den Laden. Um halb neun bricht er am Bahnhof sein Brot in zwei Hälften und gibt eine dem Mann, der dort auf einer Decke sitzt. Und am Nachmittag bleibt er als Einziger bei dem Jungen stehen, der furchtbar Geige spielt und für Unterricht spart.
Die Leute lachen ihn aus. Einer filmt ihn mit dem Handy. Und Frau Albers wird langsam wütend, weil sie es nicht versteht: Was hat der eigentlich davon?
Die Antwort bekommt sie im Januar. Sie rutscht auf dem Glatteis aus und bricht sich das Handgelenk. Ein paar Leute gehen vorbei. Jonas nicht. Er bringt sie ins Krankenhaus und klingelt sechs Wochen lang jeden Abend mit einer Suppe. Als sie ihn fragt, warum er das alles macht, sagt er einen Satz, den sie nie vergessen hat:
„Man kann nicht alles kaufen. Aber man kann fast alles geben.“
Jonas wird durch all das nicht reicher. Kein Cent mehr auf dem Konto. Aber er bekommt Dinge, die sich nicht kaufen lassen:
Und Frau Albers? Sie legt heimlich Geld für eine Unterrichtsstunde in den Geigenkasten. Sie hat gemerkt: Die Straße war die ganze Zeit schöner geworden. Sie hatte es nur nicht gesehen.
Vielleicht denkst du jetzt: Schön, aber so etwas gibt es nur im Film. Die Forschung sieht das anders:
Elizabeth Dunn, Lara Aknin und Michael Norton (Science, 2008): Menschen bekamen morgens Geld. Die eine Hälfte sollte es bis zum Abend für sich selbst ausgeben, die andere für andere Menschen. Glücklicher waren am Abend die, die es verschenkt hatten, obwohl fast alle vorher das Gegenteil geschätzt hatten.
Sonja Lyubomirsky, Kennon Sheldon und David Schkade (2005): Studierende machten sechs Wochen lang fünf kleine gute Taten pro Woche. Wer alle fünf an einem einzigen Tag machte, war danach spürbar glücklicher als die Vergleichsgruppe.
James Fowler und Nicholas Christakis (PNAS, 2010): Wer in einem Experiment Großzügigkeit erlebt hatte, war danach selbst großzügiger zu anderen. Die gute Tat wanderte über mehrere Menschen weiter, wie eine Welle.
Das Muster ist immer gleich: Wer gibt, hilft nicht nur anderen. Er schenkt sich selbst etwas. Und weil Freundlichkeit ansteckt, wird aus einer kleinen Tat oft eine ganze Kette, so wie bei Frau Albers. Was sonst noch wirklich glücklich macht, steht in der längsten Glücksstudie der Welt, mehr dazu in Was macht wirklich glücklich?
Oft steckt hinter dem dritten Punkt auch ein schnelles Urteil über andere. Wie leicht wir Menschen falsch einschätzen, zeigt die Geschichte in Vorurteile überwinden.
Gutes tun muss weder Geld noch viel Zeit kosten. Such dir aus dieser Liste eine Idee für heute aus:
Sieben Tage lang machst du jeden Tag eine kleine Sache für einen anderen Menschen. Dabei gelten nur zwei Regeln:
Und abends schreibst du nur einen einzigen Satz auf: Wie hat es sich angefühlt? Nach sieben Tagen liest du die sieben Sätze. Dann weißt du, was Jonas bekommt. Wenn du magst, verbinde die Übung mit einem Dankbarkeitstagebuch, Ideen dazu findest du in Dankbarkeit lernen.
Eine Sache ist mir wichtig: Gutes tun heißt nicht, dich selbst zu vergessen. Wer immer nur für andere da ist und sich dabei verliert, ist irgendwann leer. Gib aus der Fülle, nicht aus der Pflicht. Und wenn du merkst, dass du kaum noch Nein sagen kannst, fang bei dir selbst an. Wie das geht, zeige ich dir in Selbstwert stärken.
„Was du gibst, ohne zu zählen, ist das, was am Ende zählt.“
Schreib ihn dir auf einen Zettel, ins Handy oder an den Spiegel. Und vielleicht bist du ja morgen um halb acht der Spinner von gegenüber.
Wer anderen etwas Gutes tut, erlebt Verbundenheit, Sinn und das Gefühl, etwas bewirken zu können. In einer Studie der Psychologin Elizabeth Dunn waren Menschen am Abend glücklicher, wenn sie geschenktes Geld für andere ausgegeben hatten statt für sich selbst. Viele Forscher sprechen deshalb von einem Glücksgefühl durch Helfen, das schon bei kleinen Taten entsteht.
Eine Tür aufhalten, einen Kaffee für die nächste Person bezahlen, jemanden ehrlich fragen, wie es ihm geht, und wirklich zuhören, einer älteren Nachbarin die Einkäufe tragen oder einem Menschen schreiben, der dir lange nichts mehr gesagt hat. Weiter oben auf dieser Seite findest du 20 Ideen, die fast nichts kosten.
In einer Studie von Sonja Lyubomirsky machten Menschen sechs Wochen lang fünf kleine gute Taten pro Woche. Am stärksten wirkte es, wenn alle fünf an einem einzigen Tag passierten, statt sie über die Woche zu verteilen. Ein fester Tag für gute Taten kann also mehr bewirken als viele einzelne nebenbei.
Nein. Dass Geben dir selbst guttut, nimmt der anderen Person nichts weg. Im Gegenteil: Weil es sich gut anfühlt, machst du es öfter. Entscheidend ist nur, dass du nichts zurückerwartest. Dann bleibt es ein Geschenk und wird kein Tauschgeschäft.
Geben heißt nicht, dich selbst zu vergessen. Wer immer nur für andere da ist und die eigenen Grenzen übergeht, brennt irgendwann aus. Gutes tun soll dich nicht kleiner machen. Wenn du merkst, dass du kaum noch Nein sagen kannst, lies meinen Ratgeber Selbstwert stärken.
Ja, das haben James Fowler und Nicholas Christakis 2010 in einem Experiment gezeigt. Wer erlebt hatte, dass jemand großzügig zu ihm war, war danach selbst großzügiger zu anderen Menschen. Die Freundlichkeit wanderte über mehrere Personen weiter, auch zu Menschen, die den ersten Geber nie getroffen haben.
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