Glück & Beziehungen

Was macht wirklich glücklich? Was fast 90 Jahre Harvard-Forschung zeigen

Stell dir vor, du bist 80 und schaust auf dein Leben zurück. Was wird dann wirklich gezählt haben? Das Geld auf dem Konto? Der Job? Das schöne Haus?

Seit 1938 begleiten Forscher der Harvard-Universität Menschen ihr ganzes Leben lang, um genau diese Frage zu beantworten. Im Video erzähle ich dir die 3 wichtigsten Lektionen dieser längsten Glücksstudie der Welt. Darunter findest du alles zum Nachlesen, die Geschichte von Henry und Joe und einen kleinen Selbstcheck.

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Die längste Glücksstudie der Welt in Zahlen

Die meisten Studien über Glück fragen Menschen einmal, wie zufrieden sie sind. Die Harvard Study of Adult Development hat etwas anderes gemacht: Sie hat ganze Leben begleitet. Vom jungen Mann bis ins hohe Alter.

1938Start der Studie, mitten in der Weltwirtschaftskrise
724Männer am Anfang: 268 Harvard-Studenten und 456 Jungen aus Boston
fast 90Jahre Forschung, länger als jede andere Studie dieser Art
2Generationen: heute werden auch die Kinder befragt

Die erste Gruppe waren Studenten der Harvard-Universität. Einer von ihnen wurde später Präsident der Vereinigten Staaten: John F. Kennedy. Die zweite Gruppe kam aus den ärmsten Vierteln von Boston. Viele aus Familien, die kaum genug zu essen hatten, manche wohnten in Häusern ohne warmes Wasser.

Alle paar Jahre wurden die Männer befragt. Ihre Ärzte gaben Auskunft, die Forscher werteten Blut und Hirnscans aus und sprachen mit ihren Frauen und später mit ihren Kindern. Heute leitet der Psychiater Robert Waldinger die Studie. Seine Zusammenfassung ist so einfach, dass man sie fast übersieht.

Die Studie im Video ab 1:35

Was wir glauben, was uns glücklich macht, und was wirklich zählt

Fragt man junge Erwachsene nach ihren wichtigsten Lebenszielen, sagt ein großer Teil: reich werden. Viele sagen sogar: berühmt werden. Und ehrlich, so ganz anders sind die meisten von uns auch nicht. Wir arbeiten mehr, schieben Treffen auf und sagen: Wenn erst mal das Haus abbezahlt ist. Wenn erst mal die Rente da ist. Dann.

Was wir glaubenWas die Studie zeigt
Reich werdenGute Beziehungen haben
Berühmt werdenMenschen haben, auf die man sich verlassen kann
Mehr arbeiten, Treffen aufschiebenZeit mit Familie und Freunden verbringen
Glück kommt irgendwann späterGlück passiert im Alltag, heute

Wir leben, als würde das Glück irgendwann am Ende des Weges auf uns warten. Die Harvard-Studie hat sich angeschaut, ob das stimmt. Nicht mit einer Umfrage, sondern mit ganzen Leben.

Die 3 Lektionen aus fast 90 Jahren Forschung

Lektion 1: Verbindung hält dich am Leben

Menschen, die enger mit anderen verbunden waren, mit Familie, Freunden und Nachbarn, waren glücklicher. Sie waren körperlich gesünder und lebten länger. Die Menschen, die isoliert waren, waren weniger glücklich, ihre Gesundheit baute früher ab, ihr Gedächtnis ließ früher nach und sie starben früher.

Robert Waldinger sagt dazu sinngemäß: Einsamkeit schadet dem Körper ähnlich stark wie Rauchen oder Alkohol. Und das Gemeine daran: Man kann einsam sein, obwohl man nicht allein ist. Wie sich das anfühlt und was dagegen hilft, liest du in Einsamkeit überwinden.

Lektion 1 im Video ab 2:50

Lektion 2: Es kommt nicht auf die Anzahl an

Du kannst 500 Kontakte im Handy haben und dich trotzdem einsam fühlen. Du kannst seit 40 Jahren verheiratet sein und dich neben deinem Partner allein fühlen. Die Studie zeigt: Es zählt nicht, wie viele Menschen du um dich hast. Es zählt, wie gut diese Beziehungen sind.

Eine Ehe voller Kälte und Streit war für die Gesundheit sogar schlechter als eine Scheidung. Eine warme Beziehung, in der man sich aufeinander verlassen kann, schützt dagegen. Die Forscher haben geschaut, wie zufrieden die Männer mit 50 mit ihren Beziehungen waren, und dann 30 Jahre gewartet. Das Ergebnis:

Die Männer, die mit 50 am zufriedensten mit ihren Beziehungen waren, waren mit 80 die gesündesten. Das sagte ihre Gesundheit besser voraus als ihr Cholesterinwert.Harvard Study of Adult Development

Und bei den Menschen, die gut verbunden waren, war noch etwas anders: Auch wenn sie mit 80 Schmerzen hatten, war ihre Stimmung an den schweren Tagen trotzdem gut. Bei den Einsamen machte der Schmerz alles noch schlimmer.

Lektion 2 im Video ab 3:40

Lektion 3: Gute Beziehungen schützen deinen Kopf

Diese Lektion hat selbst die Forscher überrascht. Gute Beziehungen schützen nicht nur dein Herz, sondern auch dein Gehirn. Menschen, die mit 80 in einer Beziehung lebten, in der sie sich wirklich auf den anderen verlassen konnten, hatten länger ein schärferes Gedächtnis.

Das Schöne daran: Diese Paare haben sich trotzdem gestritten, manche sogar jeden Tag. Aber sie wussten: Wenn es ernst wird, ist der andere da. Es geht also nicht um eine perfekte Beziehung. Es geht um das Gefühl: Ich bin nicht allein, wenn es drauf ankommt.

Lektion 3 im Video ab 4:48

Henry und Joe: Wer war mit 80 glücklicher?

Um zu zeigen, was die Forscher immer wieder gesehen haben, erzähle ich im Video von zwei Männern. Ich nenne sie Henry und Joe. Sie sind Beispielfiguren, aber sie stehen für das, was die Studie über Jahrzehnte gezeigt hat. Wenn du wetten müsstest: Wer von beiden ist mit 80 glücklicher und gesünder?

HenryJoe
HerkunftHarvard-Student, gute FamilieKleine Wohnung in Boston
BerufAnwalt, viel Geld, großes HausFabrik, später Busfahrer
ZeitArbeitete bis spät in die NachtJeden Sonntag die ganze Familie am Tisch
FreundeNur noch GeschäftspartnerZwei Freunde, 50 Jahre lang jeden Donnerstag
Mit 80Allein in einem großen, stillen HausUmgeben von Menschen, neue Freunde im Verein

Henry hatte alles, aber nie Zeit. Mit seinen Kindern sprach er wenig, mit seiner Frau irgendwann nur noch über Termine. Mit 80 saß er in seinem großen Haus, und es war still. Joe hatte wenig, aber jeden Sonntag saß die ganze Familie bei ihm am Tisch. Als er in Rente ging, half er in einem Verein mit und fand dort neue Freunde.

Wer mit 80 glücklich war, hatte nicht das meiste erreicht. Er hatte die meisten echten Verbindungen. Besonders glücklich im Ruhestand waren übrigens die, die ihre Arbeitskollegen durch neue Freunde ersetzt haben.

Was aus Henry und Joe wurde, im Video ab 5:25

Warum wir es trotzdem nicht tun

Jetzt denkst du vielleicht: Das ist doch klar. Das weiß doch jeder. Ja. Und trotzdem tun wir es nicht. Weil Beziehungen anstrengend sind. Sie sind kompliziert und hören nie auf. Es gibt keinen Moment, in dem du sagen kannst: So, Familie erledigt, Freundschaft fertig.

Und weil wir alle lieber etwas wollen, das schnell geht. Etwas, das man kaufen kann. Etwas, das man abhaken kann. Mark Twain hat das vor über 130 Jahren in einem Brief so beschrieben:

Es gibt keine Zeit, so kurz ist das Leben, für Streit, Entschuldigungen, Bitterkeit und Abrechnungen. Es gibt nur Zeit zum Lieben, und dafür nur einen Augenblick.Mark Twain, 1886 (sinngemäß übersetzt)

Wenn du merkst, dass du vieles für selbstverständlich hältst, auch die Menschen um dich, dann hilft dir Dankbarkeit lernen mit einer Übung für 5 Minuten am Abend.

Der 3-Uhr-Check: Wie verbunden bist du gerade?

Am Ende des Videos stelle ich dir eine einzige Frage. Hier ist sie, zusammen mit vier weiteren. Hak ehrlich an, was auf dich zutrifft. Niemand sieht deine Antworten, die Auswertung passiert nur auf deinem Handy.

Hak an, was auf dich zutrifft, dann siehst du hier deine Auswertung.

Wenn dir bei der ersten Frage sofort ein Name eingefallen ist, dann bist du reicher, als du denkst. Pass gut auf diesen Menschen auf. Und wenn dir keiner eingefallen ist, oder nur einer, dann ist das kein Urteil über dich. Es ist ein Anfang.

Die Frage im Video ab 7:13

3 kleine Schritte für diese Woche

Das gute Leben ist kein Ziel, das irgendwann am Ende wartet. Es passiert heute. An deinem Küchentisch, am Telefon, in dem Moment, in dem du jemandem zuhörst. Mehr als diese drei Schritte braucht es nicht für den Anfang:

  1. Montag bis Mittwoch

    Ruf einen Menschen an, den du vermisst

    Nicht schreiben. Anrufen. Eine Stimme verbindet mehr als zehn Nachrichten. Du musst keinen Grund haben. „Ich hab an dich gedacht“ reicht völlig.

  2. Bis Freitag

    Schreib einen Satz gegen einen alten Streit

    Gibt es jemanden, mit dem es seit einem Streit still ist? Schreib einen einzigen Satz. Zum Beispiel: „Ich denke oft an dich und vermisse, wie es früher war.“ Mehr braucht es nicht.

  3. Am Wochenende

    Eine Stunde ohne Handy

    Verbring eine Stunde mit einem Menschen, ohne dass ein Handy auf dem Tisch liegt. Ein Spaziergang, ein Kaffee, ein Abendessen. Volle Aufmerksamkeit ist eines der schönsten Geschenke, die du machen kannst.

Schreib mir gern unter das Video auf YouTube, wen du um 3 Uhr nachts anrufen würdest. Du musst keinen Namen schreiben, ein Wort reicht: Mama. Meine Schwester. Mein bester Freund.

Wenn du dich gerade sehr allein fühlst

Manchmal reicht ein Anruf nicht, weil gerade einfach niemand da ist. Das passiert mehr Menschen, als man denkt, gerade nach einem Umzug, einer Trennung, dem Renteneintritt oder dem Tod eines geliebten Menschen. Wenn dich das Alleinsein über längere Zeit stark belastet, sprich mit deiner Hausarztpraxis. Sie kennt Angebote in deiner Nähe.

Wenn es dir gerade sehr schlecht geht, erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Für ältere Menschen gibt es außerdem das Silbernetz, ebenfalls kostenlos, unter 0800 4 70 80 90.

Häufige Fragen

Was macht laut Harvard-Studie wirklich glücklich?

Gute Beziehungen. Menschen, die eng mit Familie, Freunden und ihrer Gemeinschaft verbunden waren, waren glücklicher, körperlich gesünder und lebten länger. Geld, Ruhm und beruflicher Erfolg sagten das deutlich schlechter voraus. Entscheidend war dabei nicht die Zahl der Kontakte, sondern wie warm und verlässlich diese Beziehungen waren.

Was ist die Harvard-Glücksstudie?

Gemeint ist die Harvard Study of Adult Development. Sie begann 1938 und gilt als längste Studie über das Erwachsenenleben. Forscher haben zwei Gruppen von Männern ihr ganzes Leben lang begleitet: Harvard-Studenten und Jungen aus armen Vierteln Bostons. Heute leitet der Psychiater Robert Waldinger die Studie, inzwischen werden auch die Kinder der ersten Teilnehmer befragt.

Wie viele Menschen wurden in der Studie begleitet?

Am Anfang 268 Harvard-Studenten und später 456 Jungen aus Boston, zusammen also 724 Männer. Später kamen ihre Ehefrauen und Kinder dazu. Die Teilnehmer wurden alle paar Jahre befragt, ihre Ärzte gaben Auskunft, und es wurden Blutwerte und Hirnscans ausgewertet.

Macht Geld glücklich?

Bis zu einem gewissen Punkt hilft Geld, weil es Sorgen nimmt. Die Harvard-Studie zeigt aber, dass Geld am Ende viel weniger darüber entscheidet, wie glücklich und gesund du alt wirst, als die Qualität deiner Beziehungen. Wer für mehr Geld alle Beziehungen opfert, zahlt oft einen hohen Preis.

Wie viele Freunde braucht man, um glücklich zu sein?

Es gibt keine feste Zahl. Die Studie zeigt, dass es nicht darauf ankommt, wie viele Menschen du um dich hast, sondern wie gut diese Beziehungen sind. Schon ein oder zwei Menschen, auf die du dich wirklich verlassen kannst, machen einen großen Unterschied.

Was kann ich tun, wenn mir niemand einfällt, den ich nachts anrufen könnte?

Das ist kein Urteil über dich, sondern ein Anfang. Fang klein an: Ruf einen Menschen an, den du vermisst, schreib einen versöhnlichen Satz an jemanden, mit dem du Streit hattest, oder geh regelmäßig dorthin, wo dieselben Menschen wiederkommen, zum Beispiel in einen Verein oder ein Ehrenamt. Wenn dich das Alleinsein stark belastet, sprich mit deiner Hausarztpraxis.

Quellen: Harvard Study of Adult Development (seit 1938), Robert Waldinger, TEDxBeaconStreet 2015, Harvard Gazette 2017, Robert Waldinger und Marc Schulz: The Good Life (2023).

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